NEUE ÖSTERREICHISCHE LYRIK 2


SCHMERZMITTEL
OTISCHE EINTRÄGE



Titelbild


Christian Partl

Gedichte

Grafik: Christoph Grießer

66 Seiten, broschiert
2004
Auflage: 200 Stück, 15
ISBN 3-901735-15-1



Seite 28/29 (zum Vergrößern Bild anklicken)

"Am Herzen Europas", die Reihe mit zeitgenössischer Lyrik der Wenigerheiten, der Juden, Roma und Sinti, der Jenischen ... ist für mich seit 1996, der Gründung von EYE, Linie und Programm, bei dem ich glaube, mich manchmal ein bisschen als Ururkleinneffe der Brüder Grimm fühlen zu dürfen und Entdeckerfreude erlebe; sie stillt aber nicht meinen Hunger, meine leidenschaftliche Lust auf Gedichte. Trotz meiner scheinbaren Vielsprachigkeit mit Resten der klassischen Mitnehmsel des Gymnasiums, Latein, griechisch, auch noch holländisch, französisch, englisch, italienisch, schwedisch, russisch und türkisch mehr oder weniger habe ich in keiner Sprache außer der deutschen die Voraussetzung, Kompetenz und die Möglichkeit, Gedichte wirklich genießen oder überhaupt einigermaßen lesen zu können. Ich habe also außer im Deutschen zu anderer Lyrik "naturgemäß" nur einen indirekten Zugang. Trotzdem wollte ich ursprünglich keine deutschen Gedichte veröffentlichen. Da passierte mir gerade in den letzten Monaten, dass ich Gedichte zu lesen bekam, die ich nun selbst verlegen will; so begann ich die Reihe: "Neue österreichische Lyrik" mit "Herzauswärts die Stummheit der Sprache" von Marie Luise Habicher.

Wie ich zu "Schmerzmittel, otische Einträge" von Christian Partl kam, weiß ich zwar, ich lernte ihn und seine Gedichte durch Margreth Grießer, eine gemeisame Freundin, kennen, aber es ist mir immer noch unverständlich, denn eigentlich

Seite 34/35 (zum Vergrößern Bild anklicken)

Mag ich keine Kleinschreibung
Hasse ich zu lange und zu kurze Gedichte
An Wortspielen mag ich fast nur meine eigenen
Stabreime ertrage ich nur von Wiener Wäscheweibern oder Fischers Fritz
Fremdwörter kann ich in Gedichten nicht ausstehen
Auch Klammern, Strichpunkte, Frage- und andere Zeichen
Wörter wie Ehrfurcht, Bademantel, Geschlechtsverkehr ...
Haben in der Lyrik nichts verloren
Ich kann es nicht ertragen
Wenn ein Vers mit einem Beistrich beginnt
Und finde es schrecklich, wenn Metaphern scheppern

All diese Verstöße gegen meinen Geschmack finde ich in den "otischen einträgen" von Christian Partl, doch hier begeistert es mich! Immer wieder kann ich die Zeilen, ob es nun Verse sind oder nicht, kurze oder lange, alliteriert, mit Fremdwörtern gespickt oder nicht, lesen und genießen. Den Titel "Schmerzmittel" merkt man ihnen zwar an, aber Lyrik darf ein Medikament sein, das man sich selbst und anderen zubereitet, wenn man sich dabei ein wenig zusieht.

Christian Partl stammt von einem Bergbauernhof in der Gemeinde Kaunerberg auf 1.297 m, 344 Einwohner - kann von dort ein Dichter kommen?

Ja, offensichtlich! Davon hat sich auch die Literaturkommission von KULTUR am Bundeskanzleramt überzeugt, die verlangte, dass 30 Gedichte zur Beurteilung der Förderungswürdigkeit eingereicht werden.

Gerald Kurdoglu Nitsche
Atelier im Karrnerwaldele, 2004



   
     

christian partl
geb. 04. märz 1980 in zams/tirol

naturverbunden aufgewachsen auf elterlichem hof in kaunerberg
volksschule kaunerberg, hauptschule prutz/ried
1999 hak imst/maturiert
zivildienst in imst (lebenshilfe)
gejobbt, derzeit (pseudo)student der komparatistik
ich liebe träumen, elfen und verregnete abende
eingentlich bin ich ein hobbit,
der friedlich-ruhig irgendwo autark leben will

 

     
   

Grafik: Christoph Grießer
geb. 14. August 1984, Rum b. Innsbruck

Wohnhaft in Prutz
Friseurlehre
Mitglied der Rockgruppe Axe of Rage