NEUE ÖSTERREICHISCHE LYRIK 5


worte, die ich schreibe

Gedichte



Titelbild


Ruth Maria Schanovsky

Illustrationen: Erkan Nazli, Renate Weber, Marianne Bauer, Max Weiler, Erich Horvath, Christian Moschen, Eva-Maria Walch, Gerald K. Nitsche

110 Seiten, broschiert
2005
Auflage: 250 Stück, 19
ISBN 3-901735-18-6



Seite 10/11, zum Vergrößern anklicken

Ruth Maria (ruth miriam tamar) Schanovsky ist eine frühe Entdeckung auf meiner Suche nach Beiträgen für "Österreichische Lyrik - und kein Wort Deutsch", Anthologie der sprachlichen Wenigerheiten in Österreich, Haymon 1990. Unsere Korrespondenz geht auf das Jahr 1989 zurück; ich hatte nach AutorInnen gesucht, die Jiddisch schreiben. Dies hatte Folgen auch bis in die Gegenwart: Auf meine Bitte hin meldete sich Ruth Maria und teilte mir mit, dass sie zwar nicht Jiddisch schreibe, sich aber sehr mit der Thematik Judentum beschäftige. Sie schickte mir Gedichte, die inzwischen zu einigen meiner liebsten zählen, ein paar kann ich gar nicht gut vorlesen, so sehr ergreifen sie mich. Aber nicht nur die Ausgegrenztheit der Juden - auch die anderer, ja, selbst eigenes gelegentlich am Rande-Sein kommt in den Gedichten zu Wort. Doch es sind die Worte, die sie schreibt, die Musik, der Rhythmus dieser Worte - Inhalte allein machen nicht den Reiz von Lyrik aus. In ihrer Lyrik verbindet sie beides.

Bei "BRÜCKEN", dem interkulturellen Lesebuch für den Deutschunterricht, ÖBV 1995, war es wieder zu einer Zusammenarbeit gekommen, indem Ruth Maria Schanovsky mit dem Gedicht "Mirko, Hamide ... (hier: S 72ff), einem multikulturellen Festmahl, den inhaltlichen Schwerpunkt und das Motto des Buches lieferte.

Es gibt von Ruth Maria Schanovsky einige Broschüren, Kopien in kleiner Auflage, Gedichte zu unterschiedlichen Themenkreisen. Daraus und aus Unveröffentlichtem liegt hier eine eindrucksvolle Auswahl vor, warum soll es nicht auch anderen auch so wie mir ergehen, dass sie vor einem Gedicht stimmlich scheitern.

Gerald Kurdoglu Nitsche, Atelier im Karrnerwaldele


Seite 32/33, zum Vergrößern anklicken

worte kommen so schwer zu mir
wenn ich sie brauche
manchmal sind sie um mich
wie fliegende blumen
wie regenbogige falter
wie holunderblüten
in der morgenfrühe
wie die goldenen taler
des sternenmädchens
aber wenn ich sie brauche
sind sie fort
weggezogen
mit den winden
stumm
steh ich
und habe keine worte mehr


Seite 76/77, zum Vergrößern anklicken


worte, die ich schreibe
wie armselig sind die worte
die ich schreibe
angesichts der gestirnten nacht
des gewaltigen brausens der brandung
an der küste des pazifischen ozeans
der blume, die in sandigen tälern blüht
des über den himmel ziehenden sonnenwagens
und doch
habe ich nichts
als diese meine worte
um dich zu erreichen

Seite 86/87, zum Vergrößern anklicken


Ruth Maria Schanovsky

geboren 1952 in Wien, Lyrikerin

Ich habe mir 12 Jahren zu schreiben begonnen,
zuerst Natur- und danach lange Zeit nur Liebesgedichte.
Seit 1987 schreibe ich auch "Weltanschauliches"
mit den Schwerpunkten Anti-Faschismus
und allgemeines Unrecht in der Welt.

4 kleine Bücher im Eigenverlag:

"november"
"lichtes und schattiges"
"vom frühling, vom sommer und vom freuen"
"... und vom widerstand"

. . . aus den vorübertreibenden Wolken
sehe ich Visionen
von übermorgen . . .